Mehr Cluster im Film

Ich würde ja gerne mal über etwas schreiben, das mich begeistert. Aber auch hier muss ich vorab gestehen, das hier gerade vor Freude niemand rumhüpft.
Clusterkopfschmerz im Film. Kommt bislang so häufig nicht vor. Gar nicht eigentlich. Was schade ist. Aber auch nicht besonders verwunderlich. Denn wie soll man Clusterkopfschmerzen auch charmant darstellen? Mit dem Tourette-Syndrom funktioniert das z.B. wunderbar, wie der Film „Ein Tick anders“ ganz zauberhaft beweist. Über den war ich übrigens begeistert. Es ist also nicht so, das das nicht ginge.

Im Zusammenhang mit dem Clusterkopfschmerz ist mir so etwas leider noch nicht nicht begegnet und so langsam verliere ich auch die Hoffnung. Auch die Migräne hat bislang noch keine große Filmkarriere hingelegt. Wenn sie sich in irgendeiner Weise für mehr als die Begründung einer Unpässlichkeit anbieten würde, dann hätte das mit der Migräne vielleicht schon längst jemand gemacht.

Das bisschen, was es gibt, ist schnell erzählt und seit Jahren das Gleiche. Es wird erzählt, das Daniel Radcliffe (Harry Potter Darsteller) Betroffener ist. In einem Artikel von 2012 wird berichtet das er ein Interview abbrechen musste und später erklärte, das dies aufgrund einer Clusterkopfschmerzattacke geschah. Die Liste ergänzt sich um Grimme-Preisträger Bjarne Mädel (Tatortreiniger Heiko „Schotty“ Schotte), der in seinem Buch dem Clusterkopfschmerz ein kurzes Gedicht widmet. Alle guten Dinge sind drei. In diesem Fall ist das James Spader, der in dem Film The Watcher einen Migränegeplagten FBI-Agenten spielt. Dessen Migräneattacken sehen deutlich mehr nach Cluster aus, als die von Maarten S. Sneijder dargestellten.
Und damit bin ich auch schon voll drin, in meiner Resignation. Letzte Woche war ich nicht ganz glücklich mit Clustifer. Einem eigentlich gut gemachten Film, der die Attacke selbst nur in Ansätzen zeigt und überwiegend die Angst darstellen will.

Vor zwei Jahren hatte ich etwas zu den Büchern von Andreas Gruber und seinem an Clusterkopfschmerz leidenden Protagonisten Maarten S. Snijder geschrieben. Schon damals war ich nicht begeistert, das die Krankheit hier mit völlig sinnlosen Therapiemethoden in Zusammenhang gebracht wird. So ein Film hat leider eine Aussenwirkung und irgendwo entstehen die quellenlosen Behauptungen auf Facebook & Co. Es zieht Kreise und von meinem Standpunkt aus muss ich dagegen sein. Auch wenn es eben nur ein Film und damit eine Fiktion ist. Als Trostpflaster taucht im Film das Wort „Cluster“ gar nicht auf. Es wird nur von Kopfschmerzen gesprochen. Wer also Hintergrund und Buch nicht kennt, der bringt Kiffen und Akupunktur zumindest nicht mit Clusterkopfschmerzen in Verbindung. Naja .. Und dann war da noch die Behauptung, das Pflanzen den Sauerstoff verbrauchen. „Sie nehmen ihm die Luft zum Atmen“ ist drin im Film und macht das ganze schon wieder unfreiwillig komisch.

Der Film an sich ist erträglich. Eine kranke kriminelle Phantasie, die auf einer traumatisierenden Erfahrung basiert auf der einen Seite. Auf der anderen das nicht passende aber sich zusammenraufende Buddy-Ermittler-Team. Dazu die tatsächlich falsche Information, das der Struwwelpeter in den Niederlanden nicht bekannt ist. Dort heisst er Piet de Smeerpoets und wurde nur drei Jahre nach der deutschen Erstveröffentlichung uitgegeven. Was unsere Nachbarn jetzt wohl über uns denken. Also die, die den Film gesehen und den Piet gelesen haben.

Wer „Todesfrist – Nemez und Sneijder ermitteln“ jetzt trotzdem noch sehen will, der findet den Film jedenfalls aktuell in der Mediathek von Sat.1. Keine Ahnung wie lang er da verbleiben wird.
https://www.sat1.de/film/film-made-by-sat-1/video/todesfrist-nemez-und-sneijder-ermitteln-ganze-folge

Rafael Verfasst von:

Radfahrer, Bestsellerautor, Blogger und Yogi. Aber auch Besserwisser, Klugscheisser, Korinthenkacker, Haarspalter und Goldwaagenbesitzer. Darüber hinaus noch diplomierter Lippemüllsammler und auch sonst eher Idealist.

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