Gut gemeint – Barrierefreiheit

Die liegt mir schon etwas länger etwas quer im Magen. Ein Tweet von Laura Gehlhaar mit Verweis auf ein Interview mit ihr im Tagesspiegel war der heutig Auslöser ein paar Worte darüber zu schreiben. Denn auch wenn es ein schönes Interview ist und ich prinzipiell volles Verständnis habe – Durch meine andere Ausgangssituation habe ich nicht wirklich eine andere Meinung, aber zumindest eine andere Sicht der Dinge.
Und ich mag mit einer Anekdote starten.
Vor einiger Zeit durfte ich bei einem überregionalen Selbsthilfetreffen dem Streit zweier Rollstuhlfahrer beiwohnen. Die beiden waren sich nicht darüber einig wie Barrierefreiheit an Bahnhöfen realisiert werden sollte. Rollstuhlfahrer Eins hatte an Bahnhof XY keine Probleme, was Rollstuhlfahrer Zwei jedoch ganz anders sah. Diese für mich überraschend sehr konträren Meinungen prallten durchaus Lautstark aufeinander und ich war nicht der einzige im Saal mit einem ungeplanten Erkenntnisgewinn.
Der ist einfach: Nicht einmischen.
Wenn sich Rollstuhlfahrer nicht einig sind, wie ihnen der Problemlose Zugang zu Zügen ermöglicht werden kann, dann werde ich mich bei dem Thema eher zurückhalten.
Frei nach Diether Nuhr: „Wenn man keine Ahnung hat: einfach mal Fresse halten.“
Ich weiss aber, das dies nur eine Form von Barrierefreiheit ist. Was, wenn mir Gliedmaßen fehlen, ich nur 1,20m groß bin? Wenn ich blind, taub oder stumm bin? Wenn ich Epilepsie oder Narkolepsie habe? Oder eben Migräne oder/und Clusterkopfschmerzen?
Unterschiedliche Handicaps bedürfen völlig unterschiedlicher Kompensationen. Und nicht alle Bedürfnisse sind mit baulichen Veränderungen zu erreichen.
Sind Rampen alleine dann ein guter Anfang, oder nur ein Trostpflaster?
Wie ein umfassender Ansatz, der möglichst viele Zufrieden stellt, aussehen könnte, weiss ich leider auch nicht. Ein gepflegtes Maß an Akzeptanz, Toleranz und Verständnis für jede Art von Einschränkung und überhaupt jedwedem „Anders sein“ wäre ein wünschenswerter Ansatz. Leider sind die globalen Fortschritte in den Bereichen Ethik und Moral derzeit nicht sonderlich überzeugend.
Es wäre Zeit für einen Spruch von Oma: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“
Die Wikipedia kennt ihn als Goldene Regel der praktischen Ethik. Da er mindestens hunderte, in sinngemäßer Form womöglich seit tausenden Jahren im Raum steht, wird meine Äußerung kaum etwas ändern. Andererseits hattet ihr doch sicher alle eine Oma die etwas ähnliches gesagt haben wird.

Rafael Verfasst von:

Radfahrer, Bestsellerautor, Blogger und Yogi. Aber auch Besserwisser, Klugscheisser, Korinthenkacker, Haarspalter und Goldwaagenbesitzer. Darüber hinaus noch diplomierter Lippemüllsammler und auch sonst eher Idealist.

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.