Angst, Teil 1

Seit einigen Wochen gehe ich Schwanger mit diesem Blogpost, der aber trotz der ihm gewährten Zeit keinen wirklichen Reifungsgrad erreichen will. Bevor die Gedanken sich jedoch in Endlosspiralen verlieren, will ich den Zwischenstand hier festhalten. Auch um sie zwischenzeitlich aus dem Kopf zu bekommen.
Das ist übrigens ein ganz großer Vorteil von „etwas aufschreiben“.
Das Ausgeschriebene ist ja nun aufgeschrieben und daher müssen die tagtäglichen Gedanken nicht mehr ständig darum kreisen.
Das gegebene Thema war, oder vielmehr ist: Angst
Der gegebene Anlass waren zwei Gespräche mit Migräne-Patientinnen, die beide von starken Ängsten geprägt waren und wahrscheinlich noch sind. Beide hatten bislang keine Erfahrungen mit Triptanen zur Kupierung ihrer Migräneattacken. Jedoch hatten sie, noch bevor sie eine einzige Tablette geschluckt haben, beide eine unbestimmte Angst vor einem Medikamenteninduzierten Kopfschmerz oder gar einer Medikamentenabhängigkeit.
Eine völlig real existierende Angst aus einem völlig irrationalen Grund.
Es fällt mir schwer mich dort hineinzudenken.
Denn solche Ängste hatte ich seinerzeit nicht. Nicht mal ansatzweise. Ich war heilfroh, das es doch Medikamente gab die mir helfen könnten. Ich hätte einfach alles genommen, das Linderung verspricht. Ohne Rücksicht auf irgendwas. Hier unterscheidet sich der Migräniker vom Clusterkopf. Was mich ganz und gar nicht wundert. Der Mensch entspricht ein Stück weit dem Schmerz der ihn zwangsläufig formt. Als Hybridkopf kenne ich zwar beide Seiten, aber diese unbestimmten Ängste eines Migränekopfes kann ich kaum mehr nachvollziehen.
Während ich es doch versuchte, kochten im Netz einige Meldungen zu dem Thema Daith Piercing hoch. Ich habe es Wahrgenommen, mir ist jedoch die Zeit zu Schade mich zu dem Thema zu äußern. Zu meiner Freude hat Markus A. Dahlem sich die Zeit genommen.
Hoffnung und Abzocke scheinen eine gerade magische Beziehung zueinander haben.
Ich hingegen mag die evidenzbasierte Medizin. Die macht Fehler, gesteht sie ein und verbessert sich dementsprechend. Das tun vielerlei alternative Verfahren nicht. Das allein ist für mich ein Grund diese nicht ernst zu nehmen. Das aus manchen Kreise gern verteufelte System aus Krankenkasse und Pharmaindustrie finde ich so schlecht gar nicht. Die einen stehen im Wettbewerb und wollen Geld verdienen und die anderen so wenig wie möglich ausgeben. Das hat etwas selbstreinigendes.
Aber was rege ich mich auf. Woanders glaubt man an die Wirkung von zerriebenen Nashörnern. Nicht alle Menschen können das ihnen gegebene Hirn gewinnbringend nutzen.
Aber ich weiche vom Thema ab. Deutlich sogar.
Also zurück zur Angst.
Was für eine ist diese Angst überhaupt?
Reden wir da von einer existenziellen Angst ums nackte Überleben? Oder eher von der Befürchtung irgendwelchen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können.
Das kann ich für dritte schlecht beantworten. Für mich selber weiss ich, das ich wahrscheinlich Ängste entwickeln könnte, wenn ich diese Ansprüche noch für mich gelten lassen würde. Tatsächlich habe ich vieles von mir geschoben und aus meinem Leben entfernt das für Ängste sorgen könnte. Dann kann und will sicherlich nicht jeder so radikal machen. Ich kann es auch nichtmal jedem ans Herz legen.
Wirklich empfehlen kann ich in jedem Fall sich rational mit den konkreten Ängsten auseinanderzusetzen. Hat sie überhaupt einen realen Bezug zu der Situation, oder male ich nur Teufel an die Wand? Im zweiten Fall hilft es hoffentlich sich das immer und immer wieder zu verdeutlichen um den Pinsel aus der Hand zu legen. Es kann gut sein, das dies nicht in einem Rutsch und mit einer einzelnen Erkenntnis gelingt. Es mag nötig sein dies zu üben.
Und welche Ängste hab jetzt ich noch? Sind da wirklich keine übrig geblieben?
Wenn ich vor etwas Angst habe, dann ist es die Nichtverfügbarkeit der von mir genutzten Medikamente. Also hätte und wäre …
Würden alle Hersteller von Suma- und Zolmitriptan ihre Produktion einstellen, dann ginge mir allerdings der Arsch auf Grundeis. Tatsächlich sind in jüngerer Vergangenheit immer wieder mal Engpässe aufgetreten, persönlich hatte ich jedoch das Glück, das die Lieferschwierigkeiten in meine Remissionsphasen fielen.
Knock on wood!

Bevor mir weitere Gedanken zur Angst einfallen, will ich für den Moment mit der alten Weisheit schließen, das sie ein schlechter Berater ist.

Rafael Verfasst von:

Radfahrer, Bestsellerautor, Blogger und Yogi. Aber auch Besserwisser, Klugscheisser, Korinthenkacker, Haarspalter und Goldwaagenbesitzer. Darüber hinaus noch diplomierter Lippemüllsammler und auch sonst eher Idealist.

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.