Wege zur Information

Oder: Wieso Facebook Segen und Fluch zugleich ist.

Wir leben in einer Zeit, in der es uns ein einziges Werkzeug leichter macht als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte an so ziemlich jede Information zu kommen.

Das Internet!

Leider scheinen wir auch in einer Zeit zu leben, in der viele diese Möglichkeiten nicht nutzen. Wobei ich nicht weiss, ob es ein nicht nutzen können oder wollen ist. Dort, wo sich generell die meisten Menschen online treffen, da treffen sich inzwischen natürlich auch die meisten Betroffenen.

Facebook!

Dort finden sich wohl zu so jedem Krankheitsbild die entsprechenden Gruppen. Diese sind mal die Online-Fraktion der klassischen Selbsthilfe, mal auf Initiative von Einzelpersonen gewachsen und manchmal auch ein „Ableger“ einer auf das Thema spezialisierten Klinik. Allen gemeinsam ist, das sich in jeder dieser Gruppen Menschen freiwillig die Arbeit gemacht haben, die wichtigsten Informationen und elementarsten Tipps zu sammeln. Ebenfalls allen gemeinsam ist, das sich kaum jemand die Mühe macht, diese ganz absichtlich bereitgestellten Informationen zu lesen.
Dies führt sehr oft zu einem der beiden Szenarios: Auf eine Frage wird nur mit einem Link auf das gesammelte und bereitgestellte (Basis-)Wissen geantwortet. Dabei scheint es nie jemandem aufzufallen, das man die entsprechende Information ziemlich einfach hätte selber finden können.
Stichwort: Let me google that for you
Im ungünstigeren Fall erhält der Fragende Nachts um drei eine unqualifizierte Antwort und es heisst später „Das stand so im Internet.“
Als zweites Szenario erlebt man recht oft, das die empfohlene Gruppensuche oder der Zugriff auf eine bei Facebook hinterlegte Datei mit dem Smartphone nicht funktioniert. Stichwort: „Ich bin mit dem Handy online.“
Lieber Informationssuchender: Wenn dir das ganze in irgendeiner Weise wichtig ist, dann setzt dich verdammt noch mal an einen normalen Computer.

Neben den sozialen Netzwerken ist gesammeltes und gesichertes Wissen seit geraumer Zeit natürlich auch in Buchform erhältlich. Im Laufe der Jahre haben viele Ärzte, die sich speziell mit dem Thema Kopfschmerzen beschäftigen Bücher dazu veröffentlicht. Ab Göbel, Gaul, Sacks, Diener oder Gendolla – In allen steht in etwa das gleiche. Trotzdem haben viele Betroffene die Dinge sagen wie „Ich weiss nicht mehr, was ich noch machen soll.“, kein einziges davon gelesen. Neben den Leitliniengerechten Büchern von Vertretern der evidenzbasierten Medizin gibt es leider auch noch eine Reihe anderer Bücher, deren Unseriösität man meist schon am Heilsversprechen erkennen kann. Kein primärer Kopfschmerz lässt sich derzeit heilen. Ebensowenig, wie man seinen Hauttyp ändern kann. Es gibt Menschen, die werden in der Sonne rot und andere braun.

Auf der einen Seite wird mehr Forschung gefordert und auf der anderen werden längst bekannten und erprobte Therapien gar nicht angewendet. Das ist ein Verwirrender und auf Dauer sehr ermüdender Gegensatz. Denn Gebetsmühlenartig wieder und wieder das gleiche zu erzählen bremst – zumindest bei mir – mehr und mehr den Enthusiasmus, mit dem ich mich in sozialen Netzwerken – speziell Facebook – einbringe.
Nun ist das ganze sicherlich kein spezielles Problem der Selbsthilfe und von sozialen Netzwerken, nur läuft es hier ungünstig zusammen. Wir haben oftmals verzweifelt Suchende auf der einen Seite und ehrenamtlich Antwortende auf der anderen Seite.
Schon in der Gründerzeit des Internets gab es den Netzjargon „RTFM“ – „Read the f*cking manual“ – „Lies das verdammte Handbuch“. Supportanfragen im Netz lassen sich heute oftmals nur noch stellen, nachdem man zwangsweise die vorgeschaltete FAQ durchsucht hat. Diese Verfahren sind sicherlich nicht aus Langeweile eingeführt worden.
Vermutlich kann ich nicht viel daran ändern, das die Welt sich dreht und der Mensch ist, wie er nun mal ist. Doch ich darf meine Missbilligung und Besorgnis darüber zum Ausdruck bringen.
Achtet auf die Quellen, versucht zuerst gesichertes Wissen zu finden, bevor ihr für jede Kleinigkeit eine Frage stellt und lest vorherige Kommentare, bevor ihr eine Frage beantwortet. Und beantwortet sie nur, wenn ihr etwas fundiertes und sinnvolles dazu beitragen könnt.

Rafael Verfasst von:

Radfahrer, Bestsellerautor, Blogger und Yogi. Aber auch Besserwisser, Klugscheisser, Korinthenkacker, Haarspalter und Goldwaagenbesitzer. Darüber hinaus noch diplomierter Lippemüllsammler und auch sonst eher Idealist.

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